Die sichere Datenwolke: Cloud-Anbieter im Kassensturz-Test

«Kassensturz» und die belgische Konsumentenschutz-Organisation «Test Achats» haben die Gratis-Angebote von Cloud-Dienstleistern getestet. Fazit: Es gibt grosse Unterschiede beim Kriterium «Datensicherheit» und bei der Möglichkeit, Daten zu teilen.

Es ist paradox: Damit «Kassensturz» eine «Wolke» besuchen kann, muss der Reporter zuerst durch Stollen hunderte Meter tief in den Urner Fels. Die Bunkeranlage gehörte bis vor zehn Jahren dem Schweizer Militär. Heute ist sie im Besitz der Firma Deltalis. Deltalis vermietet exklusive Serverräume als hochsichere Daten-Tresore. Die Kunden sind Industrie-Unternehmen, Banken oder eben Cloud-Dienste.

Schweiz als guter Server-Standort

Die Abgeschiedenheit, weg von der Stadt und tief im Berg, hat für den IT-Dienstleister nur Vorteile: Die Sicherheit eines Militärbunkers mit all seinen Panzertüren und den mehrfach abgesicherten Lüftungs- und Kühlungs-Systemen ist unübertreffbar. Dazu kommt der geografische Standort in der Schweiz. Deltalis-Geschäftsführer Frank Harzheim ist überzeugt: «Die Schweiz bietet ein sehr stabiles politisches Umfeld, sehr starke Datenschutzgesetze, eine sehr starke Infrastruktur. Das macht die Schweiz zu einem der besten Länder, wo man ein Rechenzentrum betreiben kann.»

Cloud-Speicher sind weit mehr als nur externe Festplatten. Zwar kann jeder Nutzer, wie bei einer externen Festplatte auch, seine Daten bei einem Cloud-Dienst abspeichern. Dazu betreiben die Cloud-Dienste eigene Rechenzentren oder mieten selber Speicherplatz. Cloud-Dienste bieten jedoch weitere Vorteile: Daten können auf mehreren Geräten gleichzeitig genutzt werden. Verändert der Nutzer dann seine Dateien auf einem Gerät, überträgt der Cloud-Dienst diese Änderungen automatisch auf die anderen Geräte. So bleibt alles auf dem neusten Stand.

Und: Der Nutzer kann zum Beispiel Freunden oder Familienmitgliedern den Zugang zu ausgewählten Daten erlauben – die Daten also gezielt Teilen. So kann eine ganze Gruppe von Personen am gleichen Dokument arbeiten.

Zehn Gratisangebote im Test

Der Bedarf an billigem Speicherplatz steigt stetig. Cloud-Dienste aus Übersee wie Google oder Dropbox, aber auch die Swisscom und andere Schweizer Anbieter buhlen daher mit Gratis-Internet-Speicherplatz um die Daten der potenziellen Kunden.

Für den Cloud-Anbieter-Test arbeitete «Kassensturz» mit der belgischen Konsumentenschutz-Organisation «Test Achats» und dem Westschweizer Konsumentenmagazin «A Bon Entendeur» zusammen. Im Test waren zehn Gratis-Angebote von in- und ausländischen Cloud-Diensten. Ein auf IT spezialisiertes Labor wertete den 200 Fragen umfassenden Testbogen aus. Die Hauptkriterien waren: «Angebotsvielfalt», «Sicherheit», «Teilen von Daten» und «Anwenderfreundlichkeit».

So komplex die Aufgabenstellung, so einfach die wichtigste Frage: Welches ist für durchschnittliche Nutzer der perfekte Cloud-Service? Philippe Lecocq, Autor bei «Test Achats» hat eine erstaunliche Antwort: «Der perfekte Cloud-Service ist ein Produkt, das sich so leicht bedienen lässt, dass man es gleich wieder vergisst.»

Für alle Testprodukte gab es mindestens ein «Genügend»

Das positive Fazit: Alle Gratis-Cloud-Dienste schneiden mindestens genügend ab. Cloudme erreichte 46 von 100 möglichen Punkten. Die Tester bemängelten die Sicherheit bei der Anmeldung von externen Geräten aus. «Es ist ärgerlich, dass Cloudme keinen Service vorsieht, wo man eine SMS bekommt, wenn sich jemand von einem anderen Gerät aus mit der Cloud verbindet», fasst Philippe Lecocq das Resultat zusammen.

Genügend ist auch der Schweizer Cloud-Dienst Securesafe mit seinem im Verhältnis zu den anderen Anbietern kleinen Gratis-Angebot von 100 MB. Die Betreiber betonen, ihr Dienst sei nicht darauf ausgerichtet, sondern vor allem auf maximale Sicherheit: «Wir betreiben unsere eigene Serverinfrastruktur in der Schweiz und verfügen über eine sogenannte Zero-Knowledge-Architektur, wodurch wir niemals Zugriff auf die Konten unserer Kunden haben.»

Auch Icloud von Apple schneidet bei sehr guter Sicherheit und Dokumentation gesamthaft nur genügend ab. Die Tester bemängeln, der Dienst sei für Nicht-Apple-Nutzer kompliziert. Onedrive von Microsoft überzeugt mit besonders einfacher Handhabung.

Google Drive hat die Nase vorn

Ein gutes Gesamtergebnis erreichten Mega, ein Cloud-Dienstleister aus Neuseeland, Mycloud, der Cloud-Dienst von Swisscom, sowie der französische Dienst Hubic.

Die drei Besten im Cloud-Test waren: Box mit 72 Punkten und gemeinsam mit je 79 Punkten auf dem ersten Platz Dropbox und Google Drive. Test-Autor Philippe Lecocq erklärt: «Beide haben eine einfache Handhabung. Google Drive hat einen kleinen Vorteil gegenüber Dropbox, weil es grosszügiger ist mit 15 Gigabyte Gratisspeicher gegenüber 2 GB bei Dropbox.»

Test Resultate

Quelle: «Kassensturz»-Spezial, 21. November 2017, Dani Müller